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Die Dom-Ziegel-Manufaktur

Für die Turm-Sanierung benötigt der Lübecker Dom viel Geld - Am Reformationstag soll die Spendensammelaktion starten. Dann werden auch kleine Ziegel verkauft.

 

Bei ihrer Arbeit haben sie die beiden Domtürme immer im Blick. Sie müssen nur kurz nach oben schauen, und schon erblicken die vier emsigen Hobbybastler durch das Glasdach den prächtigen Backsteinbau. Entsprechend wissen sie nur zu gut, warum sie hier im Gemeindezentrum am Mühlendamm regelmäßig montagnachmittags werkeln. „400 kleine Ziegel sind aktuell unser erstes Etappenziel; die sollen dann am Reformationstag zum Preis von je fünf Euro bei unserem Dom-Fest zum Auftakt der Spendenkampagne verkauft werden“, sagt Wolfgang Gaedtke. Denn am 31. Oktober soll der offizielle Startschuss für die Sammelaktion zur anstehenden Sanierung der beiden Türme gegeben werden. Dafür werden sehr groben Schätzungen zufolge etwa fünfeinhalb Millionen Euro benötigt. Die genaue
Summe wird aber erst nach der gründlichen Voruntersuchungsphase der genauen Schäden im Mauerwerk, die vor Kurzem begonnen hat (die LN berichteten) und bis Ende 2019 dauern soll, feststehen.

„Das ist in der Tat eine große Summe“, bemerkt Carlos Blohm vom Bauausschuss der Dom-Gemeinde, „aber bei St. Petri hat es funktioniert – warum sollte es also bei uns nicht auch klappen?“, ist er zuversichtlich.


Die Idee, kleine Ziegelsteine zu fertigen, entstand schon vor fünf Jahren, wurde jedoch mit der Zeit weiter von den engagierten Dom-Enthusiasten perfektioniert. „Anlässlich eines Gemeindefestes 2013 zum Thema Mittelalter wollten wir auch etwas Spezielles für Kinder auf
die Beine stellen und haben einen Stand für kleine Dom-Baumeister mit dem Titel ,Die Dom-Ziegel-Manufaktur‘ angeboten“, erinnert sich Gaedtke. Das sei damals auch gut angenommen worden. Und ein Jahr später habe das Team dann einen Keramik-Lehrgang bei der Musikund Kunstschule (MKS) besucht, um professioneller zu werden. „Die MKS berät uns seitdem, und wir können dort auch immer unsere Ziegelrohlinge aus Bastelton und mit Original-Domlogo kostenlos brennen lassen“, betont er. Im Jahr 2015 schließlich wurde
dann erstmals das Dom-Accessoire – im Maßstab eins zu drei des Klosterformats 25 mal 13 mal 8 Zentimeter – zu Spendenzwecken verkauft. Und bis heute sind fast 600 Exemplare verkauft worden, mit einem Reinerlös von fast 2000 Euro, wenn die reinen Materialkosten
abgezogen werden. Rund 50 Ziegel schaffen sie an einem Nachmittag. „So können wir unseren kleinen Beitrag zu dieser Mammutaufgabe leisten“, sagen Helga Stascheit und Rainer Höpfner aus dem Team.


Allen vier Ehrenamtlern ist der Dom besonders ans Herz gewachsen. „Weil seine Atmosphäre begeistert, die Lichtstimmung einzigartig ist, er als Predigtraum besonders ist, die Ausstattung wunderbar ist“ – dies sind nur einige Motive für das Engagement auf Nachfrage.
Dass die 400 Spendenziegel in den noch ausstehenden anderthalb Wochen bis zum Fest fertig werden, ist klar. Um 17 Uhr am Mittwoch, 31. Oktober, beginnt das Programm, das den Titel „Ein Fest unter den Türmen, ein Fest für die Türme“ trägt.

Den Festvortrag wird übrigens Helge Adolphsen, der charismatische und streitbare ehemalige Michel-Pastor aus Hamburg, halten. „Der Dom ist ja nicht nur ein Wahrzeichen, sondern für uns auch ein Wahrheitszeichen – auch für die christliche Tradition und für das, was wir weitergeben wollen“, so sein Credo.

 

Artikel vom 21.10.2018 in den Lübecker Nachrichten von Michael Hollinde