Aktionen

Die Steineflüsterer: Spezialisten untersuchen St. Petri

Beide kennen sich mit Backsteinen und Fugen aus: der eine kennt ihre Geschichte, der andere ihre Materialeigenschaften. Bauhistoriker Dr. Holger Reimers und Dr. Frank Schlütter, Mineraloge bei der Amtlichen Materialprüfungsanstalt (MPA) Bremen, werden in den kommenden Wochen St. Petri genau untersuchen. Diese Mauerwerksuntersuchungist eine wichtige Arbeitsgrundlage für den Sanierungsplan.

 

Dunkle und helle Steine, ausgewaschene Steine, Steine mit Quetschfalten, Tonlinsen, romanischen Scharrierungen, acht Zentimeter hoch, oder achteinhalb…. Dazwischen historische Fugen in weiß, in grau, Fugen mit schwarzen Pigmenten, mit senkrechten Laufspuren (Karrenbildung) neben jüngeren Reparaturen seit der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Krieg. Das Außenmauerwerk von St. Petri erzählt dem Betrachter die Baugeschichte aus vielen Jahrhunderten – jedenfalls demjenigen, der diese Sprache spricht. „Hier sind dunkle Steine aus dem Mittelalter, einen Meter weiter wurden im 18. Jahrhundert Steine ausgewechselt“, übersetzt Dr. Holger Reimers für den Laien.

 

„Diese weißen Fugen mit einem sehr hohen Gipsanteil sind ebenfalls noch  aus dem Mittelalter“, ergänzt Dr. Frank Schlütter, „während später auch Gipsmörtel mit höherem Kalkanteil verwendet wurde. Ab dem 19. Jahrhundert wurden die Fugenmörtel an St. Petri auch grau oder schwarz pigmentiert. Durch  die mikroskopischen Untersuchungen können die verschiedenen Mörtel sehr gut differenziert und verglichen werden.

 

IMG 5069In mittleren Grautönen („mausgrau“) kommt der jüngere Zementmörtel daher, der nach seiner Erfindung immer mehr den Gipsmörtel verdrängt hat. In St. Petri wurde zum Glück hauptsächlich Gipsmörtel verwendet. Natürlich kein Gips, wie man ihn heute im Baumarkt erhält – verbaut wurde hauptsächlich Hochbrandgips, die Rezepte wurden jahrhundertelang immer weitergereicht.

 

Von unten betrachtet sehen Steine und Fugen noch ganz passabel aus. Aber wenn man ein paar Meter hoch ins Gerüst steigt, werden die feinen Risse sichtbar. Zentimetertief versenkt der Mineraloge ein Taschenmesser zwischen Stein und Fuge. „Flankenabriss, sehr gefährlich“, diagnostiziert er. Wasser dringt zwischen Stein und Fuge ein, es kommt – besonders bei Frost – zu Absprengungen. Für die anstehende Sanierung werden nun Proben der herausbröckelnden Fugenmasse mikroskopisch und chemisch untersucht.

 

IMG 5062Die Ergebnisse der Steinkartierung und der Fugenkartierung werden in die Fotos („Messbilder“) eingetragen, die das fliegende Auge vor einigen Wochen angefertigt hat. Aufgrund dieser Daten kann dann entschieden werden, mit welchen Methoden die Sanierung St. Petri durchgeführt wird. Denn: Nicht alle Materialien kann man nebeneinander verwenden,  „Gipsmörtel und Zementmörtel vertragen sich nicht“, gibt Schlütter ein Beispiel. Eine genaue Analyse sei daher unumgänglich. Denn bei der Sanierung einer Kirche sei es wie bei einem Menschen auch: Erst die Diagnose, dann die Therapie.

 

Hintergrund:

 

IMG 5078Seit 2003 sammeln Lübecks Bürger für die Aktion „Sieben Türme sollst Du sehen“. Vom Erlös wurden bislang St. Marien und St. Jakobi saniert, nun ist mit St. Petri die dritte von insgesamt fünf Innenstadtkirchen an der Reihe. Ein erstes Gutachten hat einen Sanierungsbedarf in Höhe von 2,8 Millionen Euro festgestellt. Bis zum 7. Juli wurden knapp 475.000 Euro gesammelt.

 

Der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg bittet um Spenden für den Erhalt der Sieben Türme:
Spendenkonto: Volksbank Lübeck, BLZ: 230 901 42, KTO: 5 44 11 88, Verwendungszweck: „Spende 7 Türme“.


Bitte Name und Anschrift für die Zuwendungsbestätigung nicht vergessen!